Historische Hofarchitektur im Südburgenland – Laubengang/Arkadengang

Für die Entwicklung des „Oberwarter-Typus“ gibt es hauptsächlich zwei Theorien:
Der Arkadengang könnte aus dem Wunsch heraus entstanden sein, die „Gredn“ „durch das Hinzufügen von einer Mauer und Säulen witterungsbeständiger bzw. privater zu gestalten – die Statik bildete – entgegen einer verbreiteten Meinung – für die Ausbildung der Säulen keine Rolle, da die vorspringende Traufe durch das „Aufschiffen“ der Sparren im Dachstuhl leicht zu bewerkstelligen war. 

„Aufschiffen“ der Sparren
  • Wahrscheinlicher ist jedoch, dass man sich die Schloss- bzw. Kirchenarchitektur zum Vorbild nahm um den neuen Wohlstand zu repräsentieren. Der Arkadengang stammt ursprünglich aus den Kreuzgärten von Klostern, wo sie bereits als Verkehrswege dienten. Später wurde diese Form von Renaissanceschlössern (ein Beispiel im Burgenland wäre Schloss Deutschkreutz) und bereits früher bei Bürgerhäusern (z.B: in Stadtschlaining) im Burgenland aufgegriffen.
    Da sich diese Form scheinbar bewehrte, wurde sie auch bei herrschaftlichen Gutshöfen und Verwaltungsbauten angewendet. (z.b.: oft erwähnt werden hier in der Literatur das Batthyani’sche Kastell in Stegersbach aus dem 17 JH. (heute ein sehr empfehlenswertes Gasthaus https://www.kastellstegersbach.at/ ) und Verwaltungshäuser in Jabing und Dornau bei Schlaining). Die bäuerliche Baukunst des Burgenlandes, Reinhold Harlfinger, Dissertation TU Wien, 1978, S. 8
    Für den Bezirk Oberpullendorf ist auch die Anwendung an Postämtern
    belegt bzw findet sich der Bogen als Gestaltungsform in Form von Portiken häufig auch an Schulen. (z.B.: Alte Schule, Siget)

Schließlich fand der Arkandengang Einzug ins Leben der Bauern, die gerade nach der Aufhebung der Leibeigenschaft 1781 eine neue Identität suchten:
So wurden z.B.: die Bauern in Oberwart in den Kleinadel erhoben und dies äußerte sich in der Ausführung der Arkadengänge um es der Herrschaft bzw. dem Bürgertum gleichzutun.
Arkadenhäuser im Südburgenland, Ludwig Josef Toth und Ludwig Volker Toth, Edition Roetzer, Eisenstadt, 1984, S. 32.
Wichtig für die Ausprägung in Oberwart war auch, dass die Häuser frei standen und somit der Hof einsichtig war. Daher wollte man auch diese Nebenfassade entsprechend gestalten.


Die Bauern stellten, wie bereits in einem vorherigen Artikel erwähnt, oft die selben Handwerker wie die Herrschaft an, wodurch die fachlichen Erfordernisse gegeben waren.
Die Idee des Arkadengangs der Schlösser des Burgenlands – und somit indirekt der Arkadengang des Bauernhofs – geht auf italienische Handwerker zurück:
Wie allgemein bekannt arbeiteten viele italienische Handwerker im Burgenland. (z.B.: Das Schloss Esterhazy wurde durch italienische Handwerke umgestaltet und die Zurückgebliebenen bildeten einen ganzen Ortsteil in Eisenstadt
) Vortrag von Klaus Jürgen Bauer, 13.10.2016

Diese haben die Idee des italienischen Arkadengangs ins Burgenland mitgebracht.
Bestärkt wird diese Theorie, da die Säulenlauben in Mörbisch nachweislich auch durch italienische Auswanderer eingeführt wurde. Österreichische Kunsttopographie, Band XXVI, Volkskunde des Burgenlandes, Arthur Haberlandt, S.20
Selbstverständlich gibt es den Arkadengang schon seit dem Mittelalter in städtischen Bürgerhäusern, der Hauptplatz in Wiener Neustadt ist auch heute noch ein gutes Besipiel dafür ( https://www.google.com/maps/@47.8133163,16.2444477,3a,75y,15.12h,86.51t/data=!3m8!1e1!3m6!1sAF1QipM61iqbRdPecZL-9dGyZfvaTIvVMnY-JtFuU2N8!2e10!3e11!6shttps:%2F%2Flh5.googleusercontent.com%2Fp%2FAF1QipM61iqbRdPecZL-9dGyZfvaTIvVMnY-JtFuU2N8%3Dw203-h100-k-no-pi4.290593-ya327.80792-ro-5.0995965-fo100!7i5376!8i2688 ) perfektioniert wurden sie aber in den Renaissanceschlössern.

Technisch wurde der Arkadengang erst durch den Massiv- bzw. Ziegelbau, der der Bauerschaft erst spät ermöglicht wurde, machbar.
Die ersten nicht-herrschaftlichen Bauten mit diesem architektonischen Merkmal entstanden am Ende des 18 Jahrhunderts im Zuge klerikaler Bauten (z.B.: Pfarrhof Oberwart ). Zur allgemein bevorzugten Hofform wurden sie jedoch erst nach der Bauernbefreiung 1848 und wurde danach nachweislich an Häusern auch nachträglich angebaut. So in einem von mir besuchten Haus in Hochart, wo das Haus selber aus
Bruchstein, der Laubengang jedoch aus Ziegel erbaut ist. 

Bis in die 20er Jahre des 20. Jahrhunderts baute man in dieser Art die Erschließung, wobei aber ab 1900 auch auf eine hölzerne Variante zurückgegriffen wurde (siehe Artikel-Ende).
Für Oberwart im speziellen dürfte die reformierte Kirche mit ihrem Pfarrhof die größte Rolle gespielt haben. Die Kirche wurde 1773 errichtet und war die erste evangelische Kirche im Reich, 10 Jahre vor dem Toleranzedikt Josephs II. Der Pfarrhof wurde 1784 erbaut und ist das älteste Arkadenhaus im Oberwarter Bezirk. https://www.ref-kirche-oberwart.com/gemeindezentrum/geschichte.html, abgerufen am 23.02.2017

Fassade Pfarrhaus Oberwart 2016
Arkaden Pfarrhaus Oberwart 2016

In diesem Umfeld häuften sich die prächtigsten Arkadenhäuser bzw. gibt es sie noch heute. Wie mir im Gespräch mit Hr. Georg Posch in Oberwart mitgeteilt wurde, waren die Bauern sehr fromm und die Arbeit wurde „für den Herrn erledigt“. Dies zeugt von dem nahen Verhältnis zwischen Bauer und Kirche. Von daher ist es nicht verwunderlich, dass sich dieses Stilelement auch auf die Häuser übertrug. 

Auch andere kirchliche Elemente findet man am Bauernhaus (Gurtbögen, Platzlgewölbe im Stall, Zuganker etc.)

Es lassen sich die Laubengänge in mehrere Gruppen unterteilen, welche alle den Wohlstand des Hausherren widerspiegelten. In Oberwart finden sich noch heute die verschiedensten Ausführungen:

  • Rundbögen: Die prächtigsten Arkadengänge weisen perfekte Rundbögen auf. Diese Bögen zeugen von der intensiven Planung, welche dem Bau vorangegangen sein musste, um diesen harmonischen Rhythmus zu erreichen. Die schönsten Arkadengänge haben eine Lichte Ganghöhe über 3m und Säulen mit betonten Kämpfer oder rechteckige und abgefaste Pfeiler. Sie sind aber relativ selten. (nach Toth ca. 1/6 der Anzahl der Korbbögen)
  • Korbbögen/Segmentbögen: Weniger Augenmerk auf Perfektion wurde bei den Arkadengängen mit Korbbögen bzw. Segmentbögen gelegt, die auch nicht mehr so hoch bzw. diffizil gestaltet wurden. Sie sind mit 50% die häufigste Form des Arkadenganges
  • Architrave: Einfache waagrechte Balken ersetzen hier die Bögen. Die Säulen sind meist einfache rechteckige Säulen. Sie treten in etwa gleich oft auf wie die Rundbögen.
  • Ausgeschnitten: Die wohl schlichteste Form ist der ausgeschnittene
    Arkadengang. Optisch werden hier die Flächen einfach aus der Wand ausgeschnitten – somit liegen keine Säulen im eigentlichen Sinne vor. Durch die schlichte Optik und aufgrund der häufig fehlenden unteren Mauerbank kommt diese Form eigentlich nur im Bereich der Stallungen zur Anwendung.

Wie beim Ausgeschnitten-Typus bereits angedeutet ist es äußerst selten, dass nur ein einzelner Arkadentypus vom Anfang des Gebäudes bis zum Ende zur Anwendung kam, mit Außnahme klerikaler oder herrschaftlicher Bauten.

Vielmehr wurden die Typen so kombiniert, dass die innere Struktur des Hauses anhand dieser ablesbar war.

Beim Oberwarter Typus kam dem Wohntrakt immer die prächtigste Ausführung zuteil. Dieser Teil wurde auch besonders hoch ausgeführt. Weiter hinten (zb beim Stall) war er um einiges niedriger und evtl griff man auf einfachere Formen zurück.

Arkadengang, Johann Straußgasse 43, Oberwart

Ich fand aber auch die gegenteilige Ausführung:

Arkadengang, Herrengasse 28, Oberschützen, umgekehrter Typus in der Höhe

 Hauptsächlich zeigten meine Besichtigungen rechteckige Pfeiler, runde Säulen traten seltener auf.

Durch den rechteckigen Pfeiler konnte man der Arkadenfassade durch Lisenen und Ausschnitte einen ganzheitlichen Ausdruck verleihen bzw. springt die Mauer im Bereich des Arkadenganges meist zurück und somit schließen die Kämpfer/Kapitelle der Säulen bündig an der Wandaußenkante an.

Arkadengang Mauerrücksprung, Mühlgasse 1, Oberwart
Rücksprünge im Bereich der Bögen, Grazer Straße 70, Oberwart

In älterer Literatur findet man auch noch Bilder von durch Faschen betonten, von  Schlussstein bekrönten oder von abgetreppten Bogenkanten. Ich fand diese Typen aber in-situ nicht mehr vor.

Der Laubengang wird nach oben hin durch ein Tonnengewölbe (rundbögig oder segmentbögig) abgeschlossen, ab und zu finden sich auch Böhmische Kappen bzw. das Platzlgewölbe (im Eckbereich des Arkadengang, oder aber auch über den ganzen Arkadengang). Oft war er aber auch einfach eben abgeschlossen.

Böhmische Kappe, Hianzensteig 1, Hochart
Tonnengewölbe, Mühlgasse Oberwart, 2016

Laut Toth wurden die Felder dieser Gewölbe und auch die Bogenlaibungen etliche male durch Stuckarbeiten verziert und betont, bei meinen Besichtigungen konnte ich auch dieses Gestaltungsmerkmal leider nicht mehr auffinden.

Zu guter Letzt will ich noch auf den hölzeneren Laubengang eingehen.

Während meiner Ausflüge fand ich diesen Typus vor allem im südlichen Gebiet um Großpetersdorf häufiger. Die Optik lässt wieder Assoziationen an einen Heimatstil zu– dazu passt auch die Färbelung in Resedagrün („Otto-Wagner-Grün“ -Sommerfrischevillen!), die oft von mir aufgefundene Jahreszahl um 1900 und das für diese Zeit typische Satteldach. Bei einem Bau fand ich auch, dass nachträglich der steinerne Arkadengang entfernt und durch eine Holzstruktur ersetzt wurde.  Auch gibt es die Variante, wo der der gemauerter Arkadengang des Wohntraktes in eine hölzerne Laube übergeht.

Marktplatz 14, Kotezicken
Willersdorfer Straße 21, Oberschützen, in nachfolgender Abbildung ist noch ein gemauerter Arkadengang plus eine andere Dachform ersichtlich
Willersdorfer Straße 21, Oberschützen aus Oberschützen, Johann R. Bünker, Bauernhaus in der Heanzerei von 1895, S. 108
Neugasse 3, Kohfidisch, 2017
Kleinpetersdorf 37, 2017

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