Historische Hofarchitektur im Südburgenland – Entwicklung zum prachtvollen Bauerhaus

Die fortschreitende Urbanisierung

Die Bauten vor dem 19. JH waren österreichweit sehr ihrer Region und dem dort
herrschenden Stil behaftet.
Im 19 JH kam es jedoch zu starken Veränderungen des ländlichen Bauens auf Grund der Urbanisierung des Landes, welche die oben genannten Änderungen des politischen und sozialen Lebens verursachten.
Auf der Suche nach einer neuen Architektursprache widmete sich die aufstrebende Bauern den ihm bekannten städtischen Gebäuden in der Umgebung – a
llen voran natürlich der Kirche bzw auch dem Pfarrhofes, welche auch häufig in irgendeiner Form verziert wurden. 
Kirchendekorationen waren zweifellos die ersten Quellen der bäuerlichen Ornamentik. Sie fanden bereits früh Eingang in das Fromenrepertoire der Volkskunst. So traten z.B.:  die bei Bauern so beliebten floralen Muster zuerst an Kirchen auf. Ungarische Volkskunst, Tamas Hofer und Edit Fel, Henschelverlag, Berlin 1981, S.35 und 36
Einen großen Einfluss hatte auch die Architektur der Herrschaft in Form von Lustschlössern und Gutshöfen – durch das Benutzen der gleicher Formen und Ornamente konnte man sich architektonisch mit dieser Herrschaft gleichstellen.

 

Weiters entdeckte auch die städtische Bevölkerung selbst den ländlichen Raum für sich (Phase der Romantik), und somit kam es zu beidseitigen Entwicklungen: Einerseits kamen die Bauern in Kontakt mit „gebildeter“ Architektur, andererseits übernahmen auch städtische Architekten Elemente des Bäuerlichen. Der „Schweizerhausstil“ ist sicherlich das bekannteste Resultat, aber auch am burgenländischen Bauernhof fand man gefallen.
Durch das neue Feld der „Hausforschung“ wurde diese Entwicklungen natürlich unterstützt. Weiterführende Literatur: Vernakulare Moderne: Grenzüberschreitungen in der Architektur um 1900. Das Bauernhaus und seine Aneignung, Anita Aigner, transcript Verlag, 2010

Die Industrialisierung  war durch den Ausbau der Eisenbahnen und anderer Verkehrswege der letzte Schritt zur Öffnung des Landes. Die Zureisenden brachten einen Überschwang an neuen Formen – Damit drängte sich die städtische Architektur dem Bauern quasi auf, denn die nötigen Einrichtungen wie Bahnhöfe, Fabriken, etc. spiegelten städtische Vorbilder wider.

Mit diesen Einflüssen konfrontiert entwickelte sich ein regelrechter Wettlauf unter den
reichen Bauern, wer den schönsten Hof besitzt: Es wurde die überschwängliche
Ornamentik der Möbel, Kirchen, Schlösser, Bürgerhäuser, Bahnhöfe, etc. auf die
Architektur der Bauern übertragen. Ästhetik, Symmetrie, Proportionen und Harmonie
wurden immer wichtiger.

 

Die jüngsten Bauten dieser Phase, welche jäh mit den Weltkriegen
endete, sind prächtige Imitate eines städtisch-bürgerlichen-Wohnhauses. (auf die sogenannten „Kniestockhäuser“ gehe ich in einem gesonderten Beitrag ein)
Kniestockhof in Olbendorf

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